Novellierung DGNB Gebäude im Betrieb – Was jetzt auf Bestandsgebäude zukommt
Am 11. Februar 2026 hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) die aktualisierte Version ihres Zertifizierungssystems für Gebäude im Betrieb (GiB) veröffentlicht. Die Version 2026 löst die Ausgabe von 2020 ab und spiegelt veränderte Markterwartungen in den Bereichen Dekarbonisierung, regulatorische Anschlussfähigkeit und Biodiversität wider. Für Eigentümer, Portfoliomanager und Betreiber schärft das Update die Bewertung der gebäudebezogenen Nachhaltigkeitsperformanz.
Übergangsfristen
Die DGNB hat den 31. Mai 2026 als Stichtag für Neuanmeldungen nach der bisherigen Version festgelegt. Vor diesem Datum registrierte Projekte können nach GiB 2020 fortgeführt werden. Für Rezertifizierungen verlängern bestehende Vereinbarungen diese Option bis 2032. Organisationen mit kurzfristigen Zertifizierungsplänen sollten eine zeitnahe Registrierung in Erwägung ziehen.

Was bleibt gleich?
Schätzungsweise 70 % des Systems bleiben unverändert. Dies betrifft insbesondere die Grundidee und somit u. a. das Drei-Säulen-Modell (Ökologie, Ökonomie, Soziokulturelles), die Auszeichnungsstufen (Platin, Gold, Silber, Bronze bei 80 %, 65 %, 50 %, 35 %), den Auditprozess, den dreijährigen Rezertifizierungszyklus sowie auch die Gebührenordnung. Auch die Plan-Do-Check-Act-Methodik, die Synergien zu Rahmenwerken wie GRESB schafft, bleibt als Fundament bestehen.
Fünf Hauptcluster der Veränderung
Die Anpassungen lassen sich im Wesentlichen in fünf Hauptcluster strukturieren:
- Konkretisierung der Methodik durch klarere Definition von Indikatoren und standardisierte Vorlagen.
- Stärkere Gewichtung der Gebäudesubstanz, damit leistungsstarke Gebäude auch bei weniger umfassender Prozessdokumentation honoriert werden.
- Regulatorische Anschlussfähigkeit durch explizite Zuordnung von DGNB-Indikatoren zu EU-Taxonomie-Anforderungen und CSRD-KPIs.
- Stärkerer Performance-Fokus, der Alternativwege für Gebäude mit exzellenten Betriebsergebnissen ermöglicht.
- Biodiversitätsmanagement als neues, zehntes Kriterium.
Wesentliche Veränderungen: ökologische Kriterien
Bei Klimaschutz und Energie erweitert sich der Fokus von reinen Verbrauchswerten auf die Betrachtung der gesamten Energieinfrastruktur, sprich Effizienz, Speicherung und Netzeinspeisung. Neue DGNB-Klimaschutzkategorien konsolidieren diverse regulatorische Anforderungen in einem integrierten Klassifizierungsrahmenwerk. Der Klimaschutzmaßnahmenplan wird zusätzlich aufgewertet und bietet die Grundlage für eine Vielzahl von Folgepunkten.
Beim Wasser werden Verbrauchsanalysen höher gewichtet. Neue Anforderungen in Form von absoluten Durchflussmengen gemäß EU-Taxonomie ergänzen die etablierte Wertungslogik der relativen Verbesserung. Ein Bonus für Hochwasser- und Hitzewellenvorsorge sowie die Option des externen Benchmarkings wurden ebenfalls hinzugefügt.
Das Ressourcenmanagement (ehemals Wertstoffmanagement) sinkt von 5 % auf 3 % Gewichtung, um Platz für das Biodiversitätsmanagement mit 2 % Gewichtung zu schaffen. Dieses neue Kriterium nutzt neben der bewährten Plan-Do-Check-Act-Struktur eine Checkliste als niedrigschwelligen Einstieg und bietet mehrere Bewertungsansätze: Anteil der biodiversitätsfördernden Fläche, Vermeidungsmetriken wie Lichtverschmutzungsreduktion, Förderung lokaler Biodiversitätsprojekte oder Anerkennung bestehender DGNB-Biodiversitätszertifizierungen.
Wesentliche Veränderungen: ökonomische Kriterien
Green OPEX belohnt die transparente Kennzeichnung nachhaltigkeitsbezogener Ausgaben in den Betriebskosten. Das Risikomanagement wurde signifikant erweitert: Bisherige Bewertungsansätze von Umweltrisiken werden um Resilienzfaktoren und Vulnerabilitätsanalysen mit Anpassungsmaßnahmen gemäß EU-Taxonomie ergänzt. Die Taxonomie-Konformität wird als eigenständiger Parameter betrachtet, was eine Bewertung anhand dynamischer Benchmarks zur Folge hat. Neue Indikatoren incentivieren die Kenntnis des Marktpotenzials und Alternativnutzungsszenarien der Immobilie. Ein expliziter Transitionsplan wird erwartet, der Dekarbonisierung, Klimaanpassung und Finanzplanung verknüpft. Insgesamt möchte das System dazu anregen, höhere Anfangsinvestitionen unter Berücksichtigung einer langfristigen Risikoreduktion und Vermeidung von Brown Discounts einzuordnen.
Bei der Beschaffung und Bewirtschaftung werden Implementierungsabsicht und nachgewiesene Umsetzung nun gleichgewichtig mit 50:50 bewertet – statt der bisherigen überproportionalen Belohnung des bloßen Vorliegens von Richtlinien.
Wesentliche Veränderungen: soziokulturelle Kriterien
Ein bedeutender neuer Weg beim Inraumkomfort ermöglicht es, Messanforderungen zu umgehen, wenn eine standardisierte Nutzerbefragung die Zufriedenheit in puncto Komfort belegt. Die Methodik für regelmäßige Messungen wurde konkretisiert, sodass jetzt mindestens drei einwöchige Messungen pro Jahr gefordert sind. Angebote zur Förderung der Nutzerzufriedenheit werden gröber geclustert und bieten somit mehr Raum für individuelle Assetlösungen. Die Barrierefreiheit orientiert sich indessen an der Musterbauordnung statt an DGNB-Neubaustandards und birgt somit weniger Lock-in-Effekte in der DGNB-Systemwelt. Neue Bonusfelder belohnen allergikerfreundliches Bauen und Social-Impact-Projekte. Bei der Mobilität können Detailanforderungen an Fahrradstellplätze im Falle einer nachweislichen Nutzerzufriedenheit entfallen.
Parallel zu GiB 2026 hat die DGNB ein bevorstehendes Update des „Rahmenwerks für klimaneutrale Gebäude und Standorte“ sowie der Auszeichnung „Klimapositiv“ für nachweislich klimaneutral betriebene Gebäude angekündigt. Details werden im ersten Halbjahr 2026 erwartet.
Zentrale Erkenntnisse
Aus der Systemnovellierung ergeben sich sechs zentrale Erkenntnisse:
- Die bewährte Systematik bleibt erhalten: Mit schätzungsweise 70 % Gesamtkontinuität bleibt insbesondere der Plan-Do-Check-Act-Zyklus als Fundament.
- Eine marktorientierte Weiterentwicklung schärft den Fokus auf Gebäudesubstanz, Resilienz, Performance und Biodiversität.
- Verbindliche Planung ersetzt unverbindliche Best Practice: Klimaschutzkategorien und Transformationspläne ersetzen isolierte Maßnahmen und fordern eine strukturierte Umsetzungslogik.
- Klimarisiken werden zum wirtschaftlichen Faktor: Finanzielle, physische und transitorische Risiken fließen in die Investitionsbewertung ein. Unzureichende Anpassung wird als reales Wert- und Ertragsrisiko behandelt.
- Systemoffenheit durch Alternativnachweise und Bonusoptionen verhindert strukturelle Nachteile für bestimmte Gebäudetypen.
- Übergangsphase nutzen: Trotz hoher methodischer Kontinuität steigen die inhaltlichen Anforderungen im Detail. Organisationen, die nach GiB 2020 zertifizieren möchten, müssen sich bis zum 31. Mai 2026 registrieren.
Agradblue unterstützt Eigentümer über den gesamten Zertifizierungslebenszyklus. Mit über 80 Nachhaltigkeitsspezialisten bieten wir Ihnen die notwendigen ergänzenden Leistungen wie Energieaudits, Green-FM-Konzepte, Klimarisikobewertungen und Biodiversitäts-Assessments, welche die meisten Portfolios in Reichweite von Gold bringen. In Kombination mit den strategischen Beratungskapazitäten bieten wir integrierte Unterstützung von der Portfoliostrategie bis zur einzelnen Asset-Zertifizierung. Kontaktieren Sie uns unter agradblue.com, um zu besprechen, wie die Systemnovellierung GiB 2026 Ihr Portfolio betrifft.